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Wie uns unter Beobachtung schwere Dinge schwerer fallen

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Es ist ein normaler Tag im Büro, wie jeder andere auch. Aber heute ist etwas anders! Ein Kollege wird eingearbeitet und schaut bei der täglichen Arbeit über die Schulter. Das führt dazu, dass einige Aufgaben heute besonders schwerfallen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Arbeiten unter Beobachtung und der verändert wahrgenommenen Leistung?

Der Ausgang von dominanten Reaktionen kann besser vorhergesagt werden

Mit diesem Thema beschäftigt sich die Triebtheorie nach Zajonc (1965). Er unterteilt unsere Reaktionen auf Situationen in dominante Reaktionen und nicht-dominante Reaktionen. Eine dominante Reaktion ist eine Reaktion, die uns vergleichsweise leichtfällt, da wir auf positive Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückblicken können. Eine nicht-dominante Reaktion ist eine Reaktion, bei der wir zunächst gehemmt sind. Es gibt noch keine tieferen Erfahrungen aus der Vergangenheit, wie der Ausgang der Situation unter Ausführung dieser Reaktion aussehen könnte.

Das Modell der Triebtheorie nach Zajonc (1965)

Zajonc hat die Hypothesen überprüft, dass uns bei bloßer Anwesenheit anderer einfache Aufgaben oder gut gelernte Aufgaben einfacher fallen und dies zu einer besseren Leistung führt. Die zweite Hypothese ist, dass uns bei bloßer Beobachtung nicht gut gelernte Aufgaben oder schwierigere Aufgaben schwerer fallen, die Leistung also schlechter sein wird. Dies konnte er in Untersuchungen bestätigen.

Begrenzte Aufmerksamkeit und Bewertungsangst führen zur Hemmung vor nicht-dominanten Reaktionen

Als Begründung führt er allgemein an, dass wir unter Beobachtung eher dazu tendieren, dominante Reaktionen zu zeigen. Da wir hier selbstsicher sind, da wir ja bereits Übung haben, gehen wir dies besonders konzentriert und zielstrebig an, sodass die Leistung besser ausfällt als ohne die Beobachtung. Bei schwierigen Aufgaben neigen wir dazu, auch vermehrt dominante Reaktionen zu zeigen, wenn wir beobachtet sind. Dadurch entfallen komplexere Herangehensweisen, die zu einer besseren Problemlösung führen könnten. Hintergrund hiervon ist zum einen, dass es zu einem Aufmerksamkeitskonflikt kommt. Einerseits richtet sich ein Teil der Aufmerksamkeit auf den Beobachteten, andererseits auf die Aufgabe. Da die Aufmerksamkeit an begrenzte kognitive Ressourcen gebunden ist, können dominante Reaktionen einfacher ausgeführt werden. Zum anderen kommt es unter Beobachtung zu einer Bewertungsangst. Während bei dominanten Reaktionen klarer ist, zu welchem Ausgang die Situation führt, ist dies bei nicht-dominanten Reaktionen nicht so einfach abzusehen. Die Bewertung könnte also bei einer nicht-dominanten Reaktion schlechter ausfallen.

Einen weiteren Beitrag zum Thema kognitive Verzerrungen findest Du im Magazin. Außerdem gibt es hier einige Lesetipps, die Dir tiefere Einblicke in das Thema ermöglichen.

Ein wissenschaftliches Paper zum Thema Triebtheorie findest Du hier.