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Veränderungsblindheit: Wenn wir das Offensichtliche nicht sehen

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“Hast Du eine neue Frisur?”. Das ist bestimmt jeden schon mal passiert. Da hat sich etwas grundlegend verändert, und lange ist es einem selbst gar nicht aufgefallen. Bei kleineren Änderungen bemerkt man es vielleicht gar nicht, bei größeren Veränderungen schimmert es einem dann doch meistens irgendwann. Menschen tendieren dazu insbesondere die Dinge wahrzunehmen, denen sie eine Bedeutung geben. In einem Experiment zur Veränderungsblindheit haben die beiden Psychologen Simons und Levin es 1998 auf die Spitze getrieben. Während ein Statist sich mit einem Passanten unterhält und nach dem Weg fragt, wird das Gespräch gestört. Zwei weitere eingeweihte Statisten tragen eine Tür zwischen den beiden Gesprächspartnern vorbei. Währenddessen wird der Gesprächspartner ausgetauscht. Der ursprüngliche Wegsuchende greift sich die Tür und verschwindet mit dieser aus der Szene. Der Proband bemerkt nicht, dass ihm auf einmal eine andere Person gegenüber steht.

Im Video: Wie es nicht auffällt, wenn plötzlich der Gesprächspartner wechselt

Veränderungen ohne Bedeutung bemerken wir oft nicht

Das Ergebnis der Studie war, dass in 50% der Fälle der Proband nicht bemerkt hat, dass durch die Störung der Situation der Gesprächspartner ausgetauscht wurde. Einerseits wird durch die Fokussierung auf die Wegbeschreibung durch den Proband dessen Sinneswahrnehmung gelenkt und er nimmt beispielsweise seine Kleidung nicht mit voller Aufmerksamkeit wahr. Andererseits haben die Eigenschaften der Person keine sonderlich große Bedeutung für die Situation, in der sich beide befanden. Durch die fehlende Relevanz der Merkmale werden diese weniger verinnerlicht.

Das Broadbent-Modell als Teil der Erklärung für die Veränderungsblindheit

Filtertheorie der Aufmerksamkeit nach Broadbent (1958)

Ein Modell, das die verminderte Aufmerksamkeit des Probanden erklären kann, ist das Modell der Filtertheorie von Broadbent (siehe Grafik). Er geht davon aus, dass wir nur beschränkte Ressourcen zur Verarbeitung von Reizen besitzen. Über einen selektiven Filter werden Informationen aus unserem sensorischen Speicher, in dem Informationen durch Reize gesammelt werden, herausgefiltert. So gelangen nur Informationen mit einer Relevanz in den Fokus unserer Aufmerksamkeit und dann ins Bewusstsein.

Du interessierst sich für weitere kognitive Verzerrungseffekte? Einige habe ich in diesem Blogbeitrag gesammelt!

Quellen:
Simons, Daniel & Levin, Daniel. (1998). Failure to detect change to people during a real-world interaction. Psychonomic Bulletin & Review. 5. 644-649. 10.3758/BF03208840.