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Ist mein Chef ein Psychopath?

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Für Menschen, die unsoziales Verhalten an den Tag legen, wird oft der Begriff „Psychopath“ verwendet. Häufig sind psychopathisch veranlagte Menschen in Positionen vorzufinden, in denen es möglich ist, Macht auszuüben. Wer sich gerne und häufig mit dem Titel „CEO“ schmückt, könnte also prädestiniert sein, ein Psychopath zu sein. Aber woran erkenne ich, dass meine Chefin oder mein Chef tatsächlich ein Psychopath ist?

Medizinische Einordnung der Psychopathie

In der klinischen Psychologie gilt Psychopathie als eine Persönlichkeitsstörung. Neurobiologen konnten feststellen, dass bei Psychopathen verschiedene Hirnregionen Einschränkungen unterworfen sind: die präfrontale und orbitofrontale Großhirnrinde sind weniger ausgeprägt als bei nicht betroffenen Menschen. Außerdem gibt es Fehlfunktionen in der Amygdala, die auch für Ängste verantwortlich ist, sowie im Hippocampus. Der Kriminalpsychologe Robert D. Hare hat einen diagnostischen Test (den PCL-R Test) zur Diagnose der Psychopathie entwickelt. Einen offiziellen ICD 10 Schlüssel gibt es für die Diagnose allerdings nicht.

Psychopathen zeigen oft bereits im Kindesalter ein auffälliges Verhalten. Sie sind wenig empathisch, gefühlskalt, reuelos und haben oftmals keine Angst vor Konsequenzen. Die interpersonell-affektive Psychopathie ist stabil über das Lebensalter. Sie zeichnet sich insbesondere durch einen selbstsüchtigen und parasitären Lebensstil aus. Die antisozial-deviante Psychopathie nimmt tendenziell mit zunehmendem Alter ab. Diese zeichnet sich durch einen chronisch instabilen und antisozialen Lebensstil aus.

Eine Checkliste zur Identifizierung eines Psychopathen

Über den PCL-R Test werden in einer Checkliste Eigenschaften genannt, die dabei helfen können, eine Psychopathie zu diagnostizieren. Eine offizielle Diagnose durch einen Psychotherapeuten ersetzt die Checkliste jedoch nicht.

Eigenschaften einer interpersonell-affektiven Psychopathie:

  • trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • pathologisches Lügen (Pseudologie)
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  • mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen

Eigenschaften einer antisozial-devianten Psychopathie:

  • Stimulationsbedürfnis (Erlebnishunger), ständiges Gefühl der Langeweile
  • parasitärer Lebensstil
  • Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • geringe Verhaltenskontrolle
  • Frühe Verhaltensauffälligkeiten
  • Jugendkriminalität
  • Verstoß gegen Bewährungsauflagen bei bedingter Haftentlassung
  • Polytrope (vielgestaltige) Kriminalität

Was kann ich tun, wenn ich unter einem psychopathischen Vorgesetzten leide?

Wenn sich herausstellt, dass die eigene Chefin oder der eigene Chef viele dieser Eigenschaften besitzt, ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Durch das antisoziale Verhalten von Psychopathen kann der Berufsalltag alles andere als leicht werden, und eine Veränderung des Verhaltens ist in der Regel nicht ohne Weiteres zu erwarten. Es kann hilfreich sein, unangemessene Verhaltensweisen mit dem Betriebsrat oder der Personalabteilung zu besprechen. Möglicherweise kann es auch hilfreich sein, dies zusammen mit anderen betroffenen Mitarbeitern anzugehen. Bei kriminellen Verhaltensweisen, die bei psychopathisch veranlagten Personen nicht unüblich sind, sollte auch der Rechtsweg in Betracht gezogen werden. Da die Verhaltensweisen eines Psychopathen auch die eigene psychische Gesundheit gefährden können, sollte, wenn nichts anderes hilft, auch ein Jobwechsel in Erwägung gezogen werden.

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